Schildkröten

Tipps zur Schildkrötenhaltung

Sie haben sich dazu entschlossen, eine europäische Landschildkröte als Haustier in Ihrer Familie aufzunehmen.

Hierbei sollte man sich darüber im Klaren sein, dass diese Tiere bei der richtigen Haltung ein sehr hohes Alter erreichen können und dass man mit diesem Tier u. U. eine Verantwortung für das ganze Leben übernimmt und diese Verantwortung evtl. sogar auch auf die Kinder oder Enkelkinder überträgt.

In dem folgenden Text haben wir einige Informationen für Sie über die wichtigsten Themen zusammengestellt:

Haltung

Die Unterbringung von Schildkröten sollte in einem zugfreien Terrarium bzw. altem Aquarium mit ausreichender Grundfläche erfolgen. Es sollte hell stehen, aber keiner direkten Sonne ausgesetzt sein. Die Verwendung von Sand als Bodengrund ist am Besten. Er sollte eine Körnung von 0 – 4 mm aufweisen. Sie können z. B. Kinderspielsand oder Sand vom Baustoffhändler benutzen.

Wichtig:

  • Vogelsand ist für die Haltung von Schildkröten nicht geeignet, da er scharfkantig gebrochen ist und es dadurch zu Entzündungen der Augen und Verletzungen des Magen-Darm-Traktes kommen kann !
  • Die Haltung auf Heu und Stroh kann zu allergischen Reaktionen der Atemwege führen !
  • Hobelspäne werden mitgefressen und quellen im Magen-Darm-Trakt in Verbindung mit Flüssigkeit auf und können zum Tode der Tiere führen. Weiterhin sind die Späne oft mit Holzschutzmitteln oder Farben verunreinigt!
  • Man kann Steinhöhlen und Äste zum Verstecken anbieten – zu viel Dekoration im Terrarium erschwert jedoch das Sauberhalten sehr stark!
  • Der Kot der Tiere muss immer entfernt werden, ebenso stark vertrocknete Futterreste. Es sollte auch immer frisches Wasser in einer kleinen flachen Schale angeboten werden – die Tiere verunreinigen es durch ihren eigenen Kot.
  • In regelmäßigen Abständen muss der Bodengrund ausgetauscht werden und die Steine und Äste erneuert oder abgewaschen werden.
  • Für einen optimal funktionierenden Stoffwechsel benötigen die Schildkröten eine Lufttemperatur von 26 – 28° C. Temperaturen darunter oder darüber führen zu Erkältungskrankheiten und Futterverweigerung.
  • Außerdem muss eine punktuelle Wärmestrahlung von oben angebracht werden, z. B. ein Strahler. Die Stärke des Strahlers richtet sich nach der benötigten Temperatur; im Strahlungskegel sollte die Temperatur ca. 40° betragen.
  • In diesem Teil des Terrariums kann sich ergänzend eine Heizmatte befinden. So kann die Schildkröte sich ihren warmen bzw. kühleren Platz selbst aussuchen.
  • Auf eine zusätzliche Bestrahlung mit UV-Lampen kann verzichtet werden, wenn Sie auch schon die kleinen Schildkröten bei warmen, sommerlichen Temperaturen draußen in einem geschützten Bereich halten. Nachts bzw. bei kühlem Wetter holt man sie jedoch wieder ins Haus herein.

    Am Besten deckt man das Freilandterrarium mit einem Maschendraht ab, um die Schildkröte vor Angriffen von Katzen, Hunden und Vögeln zu schützen. Bitte denken Sie daran, dass auch schon die kleinen Schildkröten wahre Kletterkünstler sein können und es keine Möglichkeit zum Unter- bzw. Überklettern der Abgrenzung gibt !

    Ernährung

    Die Ernährung der Schildkröten sollte abwechslungsreich und überwiegend pflanzlich sein, da die Tiere bei einem übermäßigen fleischlichem Angebot zu Gicht neigen. Ist das Futter zu einseitig, können Mangelerscheinungen auftreten( z. B. Rachitis).

    Haben die Schildkröten eine Vorliebe für ein bestimmtes Futter entdeckt und nehmen nun kein anderes Futter mehr an, lässt man sie 2 Tage hungern und bietet ihnen dann das andere Futter an, welches nun in der Regel ohne Probleme genommen wird.

    Als Futter kann man Folgendes anbieten:

  • Klee, Löwenzahn, Disteln, Löwenzahnblüten und alle Wildkräuter, die man in der Natur finden kann. Aber bitte darauf achten, dass die Wiesen nicht gespritzt wurden!
  • Obst und Gemüse; dies sollte aber nur den kleineren Teil der Nahrung ausmachen. In den Gebieten, aus denen die Schildkröten ursprünglich stammen, gibt es Obst und Gemüse auch nur zu einer bestimmten Jahreszeit und nicht während des ganzen Jahres.
  • Bananen sollten nicht zu viel gefüttert werden, da dies zu Verstopfung führen kann.
  • Im Winter kann man frische Sprossen und Keimlinge, Feldsalat, Eisbergsalat, Chinakohl etc. füttern. Eine alleinige Fütterung von Kopfsalat ist nicht anzuraten, er enthält zu wenig wichtige Inhaltsstoffe.
  • Das Futter sollte zusätzlich noch mit einem Kalkpräparat, z. B. Vitakalk (erhältlich in Zoogeschäften) oder besser Korvimin ZVT (erhältlich beim Tierarzt) bestreut werden.

    Trinken

    Das Trinkbedürfnis der Schildkröten richtet sich nach dem angebotenen Futter, d. h. füttert man viele Tomaten und Gurken, nehmen die Schildkröten schon einen Teil ihres Wasserbedarfes mit der Nahrung auf. Man kann eine Trinkschale ins Terrarium stellen, muss dabei aber darauf achten, dass die Schildkröte gut hinein-, aber auch wieder hinausklettern können, damit sie nicht ertrinken.

    Bei den kleinen Schildkröten empfiehlt es sich jedoch, diese 2 – 3mal wöchentlich in einer mit lauwarmen Wasser gefüllten Schale zu baden. Die Schildkröten sollten beim Baden aber den Kopf über Wasser recken können! Durch das Baden in lauwarmen Wasser wird auch die Darmtätigkeit angeregt und die Schildkröten entleeren sich nun; hierbei kann man dann erkennen, ob die Verdauung gut funktioniert.

    Winterschlaf

    In den ersten 2 – 3 Jahren sollten die kleinen Schildkröten zur Vermeidung von Ausfällen keinen großen Winterschlaf halten. Haben sie jedoch eine bestimmte Größe und Gewicht erreicht, so steht einem Winterschlaf nichts mehr im Wege.

    Man merkt es den Schildkröten auch an der nachlassenden Aktivität und der zurückgehenden Nahrungsaufnahme an, dass die Zeit für den bevorstehenden Winterschlaf gekommen ist. Dazu stellt man die Fütterung der Schildkröten ca. 2 Wochen vorher ein und senkt während dieser Zeit auch schon die Umgebungstemperatur ab, damit sie langsam zur Ruhe kommen. Um den Darm nun vollständig zu entleeren, badet man sie 2 –3 mal hintereinander jeweils 15 – 20 Minuten in lauwarmen (Salz-)Wasser.

    Die optimale Temperatur für den Winterschlaf liegt bei 6 – 8 ° C. Die Überwinterung sollte in einem Erde-Sand-Gemisch erfolgen, das nicht ganz austrocknen darf. Die Dauer der Überwinterung richtet sich nach der Größe und dem Gewicht der Schildkröten. Hierbei hat jeder Züchter andere Empfehlungen und Erfahrungen.

    Wenn die Schildkröten aus dem Winterschlaf erwachen, badet man sie in lauwarmen Wasser, dem man auch etwas Traubenzucker zusetzen kann. So beginnen sie schnell wieder vital zu werden. Nun setzt man sie auch wieder in ein warmes Terrarium, damit sie sich langsam wieder an ihr normales Leben gewöhnen können. Es kann jedoch ein paar Tage dauern, bis die Schildkröten wieder Nahrung zu sich nehmen.

    Die Schildkröten sollten nicht mehr als 10 % ihres Körpergewichtes im Winterschlaf verlieren. Wird kein Winterschlaf mit den Tieren gemacht, sobald sie alt genug dazu sind, verkürzt man somit das Leben der Schildkröte und beeinflusst auch die Fortpflanzung. Der Winterschlaf von gesunden erwachsenen Tiere sollte 3 – 4 Monate dauern.

    Krankheiten

    Die hier gemachten Angaben über Medikamente und deren Anwendung bei Krankheiten sind auf jeden Fall vor der Behandlung mit ihrem Tierarzt abzusprechen!

    Schnupfen:
    Ein wässriges Sekret läuft aus der Nase, die Schildkröte frisst nicht mehr viel oder hat das Fressen völlig eingestellt (das Auffinden der Nahrung erfolgt nämlich über den Geruchssinn!). Ursachen für diesen Schnupfen kann entweder eine allergische Reaktion sein oder das Terrarium hat im Zug gestanden. Hier muss der Tierarzt entscheiden, ob eine Behandlung mit Antibiotika angebracht ist.

    Rachitis:
    Durch Mangelernährung oder zu schnelles Wachstum entstanden. Man erkennt sie u. a. an einem weichen Panzer, einer extrem stark ausgebildeten Höckerbildung des Panzers und einer Fehlstellung der Gliedmaßen. Vorhandene Schäden können nicht behoben werden, es kann jedoch durch eine entsprechende Kalk- und Medikamentengabe eventuell ein Stillstand der Krankheit herbeigeführt werden.

    Gicht:
    Entsteht meist durch die Fütterung von zu viel tierischem Protein, es kommt hierbei zu erheblichen Bewegungseinschränkungen.

    Würmer:
    Das Vorhandensein von Würmern im Kot der Schildkröten ist nicht besonders besorgniserregend, da in der Natur die meisten Schildkröten von Würmern befallen sind. Nimmt der Wurmbefall jedoch solche Ausmaße an, dass die Würmer mit bloßem Auge im Kot zu sehen sind, sollte eine Behandlung der Schildkröte erfolgen. Gute Erfahrungen wurden bei der richtigen Dosierung mit PANACUR und MOLEVAC gemacht.

    Papageien-Schnabel:
    Entsteht sehr oft durch die häufige Aufnahme von zu weicher Nahrung. Ist der Schnabel so lang, dass keine Nahrungsaufnahme mehr stattfinden kann, muss dieser fachkundig gekürzt werden.

    Lange Krallen:
    Entstehen durch Herumlaufen auf zu weichem Untergrund. Die Krallen müssen fachkundig gekürzt werden.

    Unterscheidungsmerkmale

    Erst im Alter von mind. 2 – 3 Jahren kann man die Männchen im direkten Vergleich von den Weibchen unterscheiden. Bei frischgeschlüpften Jungtieren ist eine Unterscheidung nicht möglich.

    Weibchen: kurzer Schwanz, gerader Bauchpanzer
    Männchen: längerer Schwanz, nach innen gewölbter Bauchpanzer

    Fortpflanzung

    Die Geschlechtsreife der Tiere beginnt im Alter von ca. 5 – 6 Jahren. Wenn bei geeigneten Temperaturen das Männchen in Paarungsstimmung kommt, verfolgt es das Weibchen durch das Terrarium und umrundet es in engen Kreisen. Es kann das Weibchen auch auf den Rücken drehen und ihm in die Beine beißen. Ist das Weibchen auch paarungsbereit, so bleibt es bereitwillig stehen und das Männchen reitet auf; dazu dient der längere Schwanz und der nach innen gewölbte Bauchpanzer des Männchens. Bei der Begattung stößt das Männchen piepsende Laute aus, die an Katzengeschrei erinnern. Die Paarungswilligkeit der Männchen hält bei entsprechendem Wetter den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein an.
    Die Eier werden von dem Weibchen in der Erde vergraben. Auch wenn es keine Paarung gab, so können die Weibchen unbefruchtete Eier ablegen. Hat jedoch eine Paarung stattgefunden, gräbt man die Eier aus und brütet sie bei ca. 30 ° C in einer Kunstglucke aus. Dabei muss man auf die Luftfeuchtigkeit und das Substrat achten.

    Einzeltiere

    Schildkröten können einzeln gehalten werden. Beginnt jedoch die Fortpflanzung, kann man beobachten, dass die Männchen ihren Fortpflanzungstrieb an allem, was nach Schildkröte aussieht, auslassen. Es ist im Nachhinein auch sehr schwierig, noch mal eine Schildkröte in der entsprechenden Größe zu bekommen, da die meisten Züchter ihre Jungtiere in den ersten zwei Jahren abgeben. Erwachsene oder fast erwachsene Tiere kann man legal fast gar nicht bekommen, da sich kein Züchter von seinen Weibchen trennt. Männchen sind etwas leichter zu bekommen, da ein Männchen zur Begattung von mehreren Weibchen in der Lage ist.

    Hat man nun zwei Männchen als Jungtiere gekauft, ist das im Fortpflanzungsstadium auch kein Problem, wenn die Tiere sich auch mal aus dem Weg gehen können.

    Es sollten auch immer nur Tiere zusammen gehalten werden, die in etwa die gleiche Größe haben, um Unfälle wie z. B. Bissverletzungen beim Fressen, zu vermeiden. Man sollte sich also beim Erwerb von Schildkröten schon im Voraus Gedanken über die Anzahl der Tiere machen, die angeschafft werden sollen.

    Panzerkosmetik

    Von dem Einfetten des Panzers kann Abstand genommen werden, denn auch in der Natur fettet niemand der Schildkröte den Panzer ein. Bei der Freilandhaltung (oder auch der Terrarienhaltung auf Sand) führt das Einfetten zu einer zusätzlichen Verschmutzung des Panzers, da das Bodensubstrat noch besser am Panzer haften kann.

    An dieser Stelle sei erwähnt, dass auch Schildkröten schmerzempfindlich sind. Im Panzer enden nämlich viele Nerven und Blutgefäße. Deshalb merken die Tiere ganz genau, wenn man sie streichelt und empfinden ebenfalls sehr große Schmerzen, wenn es zu Panzerverletzungen kommt.

    Weiterführende Literatur

  • Fester Panzer – weiches Herz: Ein Ratgeber zur naturnahen Haltung Europäischer Landschildkröten
  • Landschildkröten: Halten & pflegen, beobachten & verstehen
  • Schildkröten (Tierratgeber)
  • Freilandanlagen für Schildkröten
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